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Machen Sie Ihr eigenes Kundenmagazin

IKEA macht’s, die Bahn, die Krankenkassen oder der Supermarkt um die Ecke – alle bieten ihren Kunden eine eigene Kundenzeitung an. Doch nicht nur für große Unternehmen ist dies ein interessantes Instrument zur Kundenbindung und -gewinnung. Auch für mittelständische Unternehmen kann sich ein regelmäßiges Magazin lohnen – vor allem auch in der B2B-Kommunikation. Denn wenn Produkte austauschbarer und Märkte enger werden, wird die direkte Ansprache der Kunden immer wichtiger.
Anders als andere Werbemedien landet ein Kundenmagazin regelmäßig direkt bei Ihrer Zielgruppe auf dem Schreibtisch. Mehr Aufmerksamkeit bei weniger Streuverlust geht also kaum. Voraussetzungen sind jedoch ein spannender Themenmix mit gut geschriebenen redaktionellen Inhalten sowie ein ansprechendes Layout.

Unterschied Firmenprospekt und Kundenmagazin
Natürlich geht es auch in einem Kundenmagazin im Wesentlichen um Ihr Unternehmen und Ihre Produkte. Gut gemachte Magazine nutzen jedoch vielfältige journalistische Stilmittel und verzichten auf die sonst üblichen Marketing-, Werbe- und Verkaufsphrasen. Achten Sie darauf, dass die Magazinbeiträge einen erkennbaren Nutzen für den Leser haben und zudem unterhalten. Ihre Unternehmensphilosophie oder Produktvorteile sollten daher nur unterschwellig und mit konkreten Beispielen dargestellt werden. Verwenden Sie möglichst abwechslungsreiche journalistische Darstellungsformen wie zum Beispiel:
• Die Meldung als kurze Information, zum Beispiel für die Ankündigung von Veranstaltungen oder als knappe Mitteilung über Ereignisse.
• Den Bericht für die sachliche Darstellung von Vorgängen, Stellungnahmen und Aussagen.
• Das Interview mit Fragen und Antworten im originalen Wortlaut.
• Den Kommentar, der subjektiv und wertend zu einem Thema Stellung bezieht.
• Das Porträt zum Vorstellen von Menschen oder Unternehmen.
• Die Reportage als Kombination aus sachlichen Informationen und erzählenden Elementen.
• Die Glosse mit einem kurzen Meinungsbeitrag, der Stilmittel wie Ironie und Satire nutzt.
Und: Setzen Sie auf die Kraft von Bildern und visualisieren Sie zusätzlich komplexe Inhalte mit Infografiken.

Ideen für Magazin-Inhalte
Bieten Sie mit Ihrem Magazin einen Blick „hinter die Kulissen“. Denn Ihre Kunden können nur eine emotionale Bindung zu Ihrem Unternehmen aufbauen, wenn Sie wissen, mit wem sie es zu tun haben. Machen Sie also die Menschen in den verschiedenen Abteilungen – d.h. auch im Innendienst – sichtbar. Stellen Sie neue Mitarbeiter und erfolgreiche Auszubildende vor, lassen Sie Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzende oder Gesellschafter zu Wort kommen. Schreiben Sie über Firmenereignisse, Jubiläen und neue Produkte. Informieren Sie über Ihr soziales Engagement, Ihre Forschungsprojekte und Ihre Sponsoringund Umweltschutz-Aktivitäten. Auch Lieferanten können Sie einbinden und sich so für eine gute Zusammenarbeit bedanken.

Einen wesentlichen Teil des Magazins sollten Sie aber Ihren Kunden widmen. Berichten Sie über gemeinsame Projekte und verpacken Sie diese z.B. in Kunden-Porträts oder -Interviews. Stellen Sie wichtige Fachinformationen und aktuelle Tipps für
Ihre Kunden zusammen und machen Sie sich so zum unentbehrlichen Ratgeber. Analysieren Sie Branchentrends und kommentieren Sie relevante wirtschaftliche oder juristische Rahmenbedingungen.

Dabei müssen die Texte nicht alle aus Ihrem Unternehmen kommen: Fragen Sie Ihre Kooperationspartner oder externe Experten als Gastautoren an.
Sie können das Magazin auch für Umfragen nutzen, z.B. zur Kundenzufriedenheit. Loben Sie Preise unter allen Teilnehmern
aus oder veranstalten Sie regelmäßig kleine Gewinnspiele, bei denen Produkte von Ihnen oder Ihren Geschäftspartnern
ausgelobt werden. Integrieren Sie Rabatt-Coupons oder Gutscheine für Zusatzleistungen und schaffen Sie so einen echten Mehrwert für Ihre Kunden.

Nicht nur für Kunden
Auch Ihre Mitarbeiter sowie Lieferanten sind wichtige Multiplikatoren und sollten daher Ihr Kundenmagazin unbedingt erhalten.
Mitarbeiter, die stolz auf ihren Arbeitsplatz sind, werden das Magazin gerne im Familien- und Freundeskreis zeigen. In Zeiten,
wo gute Auszubildende und Fachkräfte immer schwieriger zu finden sind, ist das ein unschätzbarer Vorteil. Ermutigen Sie Ihre
Belegschaft also aktiv dazu, die Hefte zu verteilen. Gleiches gilt auch für Ihre Lieferanten. Auch bei lange bestehenden
Geschäftsbeziehungen werden diese vermutlich nur wenig über alle Ihre Produktneuheiten und Aktivitäten wissen.
Ihr Kundenmagazin kann diese Informationslücke schließen und so die Zusammenarbeit verbessern.

Checkliste: Erstellen von Kundenmagazinen

Grobplanung:
Bestimmen von Erscheinungsintervall(empfehlenswert sind mindestens zwei Ausgaben pro Jahr)
Festlegen von Format, Umfang und Papier. Vier Seiten sind das Minimum, nach oben gibt es eigentlich nur Budgetgrenzen. Statt Standard A4 kann auch das Pocketformat 17 x 24 cm interessant sein
Definieren von Inhaltsarten, wie zum Beispiel Rubriken, Layout, Textstil und Bildsprache
Planen des Workflows: Wer ist im Unternehmen verantwortlich? Kann alles inhouse umgesetzt werden inklusive Text, Fotos und Gestaltung? Oder wird das Magazin teilweise oder ganz an kreative Dienstleister ausgelagert?
Produktion klären: Wird das Magazin nur gedruckt erscheinen? Oder soll die Druckversion auch für Ihre Webseite und für mobile Endgeräte wie Smartphones oder iPad aufbereitet werden?
Distribution: Wer soll das Magazin erhalten? Gibt es eine Adressdatenbank? Sind die Daten aktuell? Müssen zusätzliche Daten gekauft werden?
Refinanzierung überlegen: Sind Lieferanten oder Kunden etc. bereit, kostenpflichtig Anzeigen zu schalten?

Feinplanung:
Fixieren der konkreten Erscheinu ngstermine und der Jahresthemenplanung (abhängig zum Beispiel von Jubiläen, Tag der offenen Tür, Teilnahme an Messen, Neueinführung von Produkten)
Erstellen eines Zeitplans für das ganze Jahr: Wer liefert bis wann welche Inhalte? Wann müssen die Daten an die Druckerei?
Themenschwerpunkte für einzelne Ausgaben finden: Das Hauptthema wird aus unterschiedlichen Sichtweisen und verschiedenen Stilarten vorgestellt. Bei einem neuen Produkt kann z.B. der Geschäftsführer interviewt, die Produktion mit einer Fotostrecke gezeigt und die Anwendung mit einem Kundenporträt beschrieben werden.
Anlegen einer Datenbank für zeitlose Ersatzthemen: Zum Beispiel allgemein gültige Tipps. Diese dienen als „Füllmaterial“ und kommen zum Einsatz, wenn noch Platz im Magazin ist.

Claudia Mattheis